Mutpost - ein Projekt zur Suizidprävention
Liebe Teilnehmerinnen,
heute möchten wir Ihnen ein neues Projekt vorstellen, welches der Suizidprävention dient.
Der WDR beschreibt das Projekt in ihrem gestrigen Beitrag wie folgt (Quelle: Plattform "Mutpost" will Suizidgefährdeten helfen - Nachrichten - WDR ):
Mit persönlichen Briefen will das Projekt "Mutpost" Suizidgefährdete unterstützen. Warum das so effektiv sein kann.
Manchmal sind es keine großen Reden, sondern leise, persönliche Worte, die einen Menschen erreichen – genau dann, wenn sich alles dunkel und ausweglos anfühlt. Ein Satz, der sagt: Du fehlst. Du wirst gebraucht. Und dein Leben hat Bedeutung.
Wie "Mutpost" Menschen erreichen will
Genau dort setzt ein neues Projekt in Deutschland an. Mutpost heißt die Internetplattform, die Menschen anonym Raum gibt, einander Worte zu hinterlassen – Worte, die Halt geben können in Momenten, in denen selbst Hoffnung schwer zu greifen ist. Um 12 Uhr ging die Seite an den Start.
Mitmachen kann jeder. Über ein Kontaktformular können Menschen anonym einen Brief an jene verfassen, die überlegen, ihr Leben zu beenden. In den Briefen erzählen die Mitmachenden beispielsweise, was ihnen selbst in schwierigen Zeiten geholfen hat oder teilen andere Gedanken, die Mut machen und Hoffnung geben sollen. Die Briefe werden von Fachleuten geprüft und dann auf der Seite hochgeladen. Sie sollen Menschen in Not Halt geben.
Initiator des Projektes in Deutschland ist das Dresdner Werner Felber Institut, das sich seit Jahren für Suizidprävention engagiert. Das Institut übernahm die Idee für "Mutpost" von der englischsprachigen Website "reasons to stay" ("Gründe zu bleiben"). Ihr Gründer Ben West hatte das Projekt ins Leben gerufen, nachdem sich sein Bruder Sam im Alter von 15 Jahren das Leben genommen hatte. Nach Angaben der Plattform sind dort bislang knapp 870.000 Briefe verfasst worden.
In einem der Briefe auf der englischsprachigen Website heißt es etwa übersetzt:
"Ich verspreche dir, es gibt Licht jenseits dieser dunklen Zeit, ich verspreche dir, dass du wichtig bist und die Welt ein besserer Ort ist, wenn du hier bist. [...] Ich weiß, dass du in zehn Jahren auch sitzen und diesen Brief schreiben kannst, wenn du innehältst, durchatmest, einen kleinen Schritt machst." - Ali
In einem anderen Brief heißt es:
"Deine Existenz und dein Einfluss machen einen positiven Unterschied, auch wenn du es nicht siehst. Vergiss das nie. Du schaffst das." - Unbekannt
Die psychologische Wirkung von Mut-Botschaften
Doch warum können solche Botschaften bei Menschen, die über Suizid nachdenken, so wirksam sein? "Suizidalität entsteht meist vor dem Hintergrund psychischer Erkrankungen wie beispielsweise einer Depression", sagte Julia Ebhardt, Mitarbeiterin im Partnernetzwerk Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, dem WDR. Bei einer Depression seien Betroffene ohnehin niedergeschlagen und könnten die Hoffnung verlieren. Botschaften wie bei "Mutpost" könnten bewirken, dass Betroffene sich in ihrer Situation gesehen, verstanden und weniger einsam fühlten.
Viele Botschaften auf der Website "reasons to stay" erzählten davon, dass jemand in einer ähnlichen Situation war und wie die Person wieder neue Hoffnung geschöpft hat. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es Betroffenen hilft und oft auch Mut macht, sich Unterstützung im direkten Umfeld zu suchen", so Ebhardt, die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin ist.
Website "Mutpost" bietet auch Übersicht mit Anlaufstellen
Der 35-jährige Marco Krille sieht dies ähnlich, wie er dem WDR sagte. Das Projekt "Mutpost" könne ein erster Schritt sein, von Suizidgedanken abzukommen. Krille war vor einigen Jahren selbst suizidgefährdet. Sowohl sein Vater, als auch fünf weitere Menschen aus seinem Bekanntenkreis hatten sich suizidiert. Zurzeit ist Grille in ambulanter Behandlung und gilt als psychisch stabil. "Vor allem Menschen, die isoliert sind, kann eine Website wie Mutpost helfen", so Krille. Denn sie merkten, dass sie nicht alleine sind.
Die Briefe auf der Webseite können ein Anstoß sein, etwas zu ändern und sich Hilfe zu suchen. Auf der Plattform gibt es neben den Briefen auch eine Übersicht mit Anlaufstellen und einen Soforthilfe-Button, über den Betroffene direkt Hilfe bekommen können.
Wichtig: Wenn ihr selbst von Suizidgedanken akut betroffen seid oder jemand in eurem Umfeld, sucht euch bitte Hilfe. Ihr könnt jederzeit die Telefonseelsorge unter 0800 / 111 0 111 anrufen. Bei unmittelbarer Suizidgefahr ist es notwendig, schnell Hilfe zu holen. Zögert nicht die 112 anzurufen, wenn ihr selbst oder jemand aus eurem Umfeld akut gefährdet ist. Auch über den medizinischen Notdienst unter 116 117 steht in akuten Krisen außerhalb regulärer Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe zur Verfügung